Wissenschaftliche Arbeit mit uns

Wir von Straightinyourhead.de durften Teil einer wissenschaftlichen Arbeit werden und möchten euch diese natürlich nicht vorenthalten. Ein Dank geht an dieser Stelle an die Ausarbeiterin des Textes, Bine.
Die Ausarbeitung zum Thema E- und Fanzines:
1 Einleitung
Alternativmedien werden vor allem in Zeiten hoher Pressekonzentration als Kritikinstanz immer wichtiger. Sie hinterfragen gesellschaftliche Phänomene in einer Art und Weise, wie sie für Massenmedien nicht besteht. Im Gegensatz zu den meist durch die Wirtschaft finanzierten Hörfunksendern, Printprodukten oder an eine breite Öffentlichkeit gerichtete Onlineangebote, publizieren Alternativmedien ihre Inhalte unabhängig von ökonomischen Faktoren. Eines dieser alternativen Medien ist das Fanzine. Es ermöglicht verschiedenen Menschen ihre eigenen Einstellungen, Meinungen und Ideen zu publizieren und sich somit Gehör in der Gesellschaft zu verschaffen.
In der vorliegenden Arbeit soll der Aspekt der Fanzines näher beleuchtet werden, dabei hat sich den Autoren die Frage gestellt: „Inwiefern sind Fanzines, insbesondere E-Zines, gesellschaftspolitisch relevant?“
Zuerst wird näher auf die Theorie eingegangen. Hier werden Fanzines im Allgemeinen, sowie die E-Zines im Speziellen erklärt sowie kurz auf deren Geschichte eingegangen. Auch werden sich die Autorinnen kurz mit der Frage nach dem möglichen Ende der gedruckten Fassung von Fanzines befassen. Außerdem wird die gesellschaftliche Relevanz geklärt und über die Auffassung des Begriffes Kritik geschrieben.
Im empirischen Teil werden sich die Autorinnen auf eine Stichprobe von drei Ausgaben von Fanzines, die im Internet erscheinen, konzentrieren. Für die Beispiele wurden drei Musik-Fanzines in Form von E-Zines ausgewählt. Die Entscheidung auf die elektronische Form von Zines ist deshalb gefallen, weil sich durch das Internet ganz neue Aspekte für alternative Medien eröffnen, auf die in der vorliegenden Arbeit genauer eingegangen wird. Da es E-Zines eine weitreichende Palette an Themen abdecken, konzentrieren sich die Autorinnen hauptsächlich auf die Musik-Zines, welche selbst eine große Auswahl bereitstellen.
2 Theoretischer Teil
2.1 Definition Fanzines
Um zu die gesellschaftliche Relevanz von Fanzines zu klären, muss zuerst der Begriff „Fanzine“ genauer beleuchtet werden.
Fanzines sind von einer Person eigens produzierte, veröffentlichte und verbreitete Magazine, die weder kommerziell, noch professionell sind (vgl. Stoneman 2001: 5, zit. n. Duncombe 1997: 6). Um ein Fanzine herzustellen, ist es nicht nötig publizistische Vorkenntnisse zu haben oder sich an bestimmte Beschränkungen zu halten. Uneingeschränkt jeder der sich ausdrücken möchte, besitzt die Möglichkeit ein Fanzine zu fabrizieren. “Zines are a way for people to express minority opinions and a space for people who are not ‚writers’ or ‚artists’ to write and make art“ (Haegele 2007: 109).
In den Fanzines selbst werden Leser/Leserinnen zum Schreiben animiert. Im Vorwort einer Ausgabe von dem Fanzine ‘Blut im Stuhl – aber zum Arzt geh ich nicht…’ wollte man mit folgenden Worten ihre Leserschaft zum Schreiben motivieren:
[…] das Tolle ist: in dieser Wirklichkeit, in der wir bestimmen, die wir bauen, gibt es zig andere kleine Welten, zig andere Fanzines, die ebenfalls an dieser Wirklichkeit bauen. Ihr müßt diese Welten nur suchen und erforschen. Und nicht nur das: nein, an jeder dieser Welten könnt Ihr mitbauen. [...] Diese Wirklichkeit ist so schön, weil sie zwar nicht ohne kommerzielle Zwänge funktioniert, aber eben nicht von diesen bestimmt wird!“ (o.A. 2005: o.S.)
Fanzine ist der Inbegriff von amateurhaftem, eigens produziertem Journalismus. Oftmals werden sie nur von einem einzigen Individuum produziert. Hin und wieder schließen sich einige wenige Personen zusammen, um gemeinsam ein Fanzine herzustellen. Der Herausgeber/die Herausgeberin muss sich um das Layout und um das Design, sowie um die Zusammensetzung des Heftes kümmern. Weiters ist er/sie für den Druck, für die Verbreitung sowie für die Finanzen verantwortlich. Fanzines können dazu dienen, anderen Informationen zu übermitteln, versuchen durch sie eine Art von Erziehung zu leisten oder sie wollen einfach nur mit anderen in Kommunikation treten. Sie enthalten die Wünsche, Meinungen und den Glauben des Schreibers/der Schreiberin (vgl. Atton 2002: 55). Ein Fanzine enthält eine persönliche Note, die die ganze Arbeit durchdringt. Diese kann man bei kommerziellen Magazinen nicht finden (vgl. Wright 2001: 47). Atton (2002: 54) sichtet ein Abkehren von Programmen, Büchern oder Genres, hin zu einem Zine, aus welchem man die Identität der Produzenten herauslesen kann. Die Herausgeber der Fanzines schreiben in ihren Publikationen also über ihr eigenes Leben, sowie über ihre gemachten Erfahrungen. „At the heart of zine culture is not the study of the other but the study of self, of personal expression, sociality and the building of community“ (ebd.: 54).
Im Gegensatz zu gewöhnlichen Massenproduktionen, welche einer gewissen Periodizität nachgehen, entstehen Fanzines in unregelmäßigen Abständen. Dies hängt alleine von der Laune des/der jeweiligen Schreibers/Schreiberin ab. Bei Fanzines spielt es keine Rolle, ob nur ein Einziges hergestellt wurde oder ob mehrere Ausgaben jahrelang erscheinen. Manche verschwinden nach einem einzigen Fanzine, andere bringen nach etlichen Jahren wieder eine Ausgabe heraus (vgl. Wright 2001: 50).
Haegele (2007: 108) sieht in einem Fanzine ein unabhängig veröffentlichtes Magazin, ein fotokopiertes Heft, einen alternativen Newsletter, sowie ein DIY (do-it-yourself) Journal. Ein Fanzine kann so viel Verschiedenes sein, dass es schwer ist den Begriff Fanzines abzugrenzen. Meistens sind Fanzines
typed, handwritten, or computer-printed, then cut and pasted up, photocopied, and stapled into booklets. Some longer zines are taken to a print shop and printed on newsprint. Most zines are written, designed and constructed by one person, but they certainly can have multiple contributors and still be considered zines (Haegele 2007: 109).
Fanzines können in ihren Themenbereichen variieren. Wie schon erwähnt, setzen sich in einem solchen Magazin viele Schreiber/Schreiberinnen mit der eigenen Identität, den eigenen Wünschen und Erfahrungen auseinander. Während einige über politische Themen schreiben, bringen andere beispielsweise ihr Interesse an der Musikszene zum Ausdruck. Es gibt unzählige weitere Themen mit denen sich Produzenten/Produzentinnen solcher Magazine beschäftigen.
Dass die Leserschaft der Fanzines diese Magazine mit einer gewissen Erwartungshaltung konsumieren, darf nicht vergessen werden. Meistens greifen Leser zu bestimmten Themen von Fanzines, die ihre eigenen Ansichten spiegeln. So ist es möglich, dass sich ihre Rezipienten zu einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen können. Ebenfalls können Zines ihnen helfen, ihre eigenen Glaubensgrundsätze zu bestärken (Waltz 2005: 79).
Doch oft können genau diese Menschen mit den gleichen Einstellungen und Gefühlen nicht erreicht werden, bzw. sie wissen zum Teil nicht einmal, dass solch ein Angebot überhaupt besteht. Stoneman (2001: 41) sieht darin ein kleines Problem in der Fanzines-Kultur. Sie wirkt isoliert und grenzt sich von der übrigen Gesellschaft ab. Solang man nicht in der Fanzines-Kultur integriert ist, ist es sehr schwierig von den vielen unterschiedlichen Fanzines zu erfahren und zu dessen Angeboten zu gelangen.
2.2 Einblick in die Geschichte des Fanzine
Fanzines werden schon seit langer Zeit hergestellt. Das erste Fanzine, welches vom ersten Science-Fiction-Club, dem Science Correspondence Club, produziert wurde, tauchte im Mai 1930 auf. Durch die Gründung des ‚The Comet’ blieb die Herstellung von Fanzines noch lange in der Science-Fiction-Szene. Erst nach einiger Zeit entdeckten andere Richtungen dieses Magazin für sich (vlg. Stoneman 2001: 24). Da diese Szene damals keinesfalls in die ‚Mainstream-Gesellschaft’ hineingepasst hatte, wurde es durch Fanzines möglich, Science-Fiction-Fans auf eine Art und Weise zusammenzubringen und ihnen somit ein Gemeinschaftsgefühl zu geben.
Die ersten Musikfanzines ergaben sich aus der britischen Punk-Szene in den späten siebziger Jahren. Punks waren der Meinung, dass jeder Mensch ohne eine professionelle Ausbildung jede Art von Arbeit erledigen kann. Das Wichtigste war ihnen, dass man dabei bei dessen Ausübung Wohlgefallen findet (vgl. Stoneman 2001: 25). Aus dieser Ansicht heraus entstanden Fanzines, in denen man sich ausdrücken und Ansichten über jeweilige Themen mit anderen Menschen teilen konnte, ohne dabei eine publizistische Ausbildung zu besitzen.
Reynolds (2009: o.S.) erinnerten die Punk-Fanzines jedoch mehr an die Hip-Hop-Szene. Der Grund dafür war, dass er Ähnlichkeiten der Autoren mit den MCs im Hip-Hop bemerkte, die alle mit ihrem übergroßen Ego und einer wettbewerbsartigen Feindseeligkeit sich als selbsternannte ‚Gesetzgeber’ der Musikwelt sahen.
2.3 Das Ende der gedruckten Fanzines?
Sind Fanzines vom Aussterben bedroht? Simon Reynolds (2009: o.S.) ist dies in seinem Blog in The Guardian jedenfalls der Meinung. Denn nach seinen Ansichten haben Blogs den einfachen Fanzines einige Vorteile voraus. Im Gegensatz zu den üblichen Fanzines auf Papier, kosten die Blogs im Internet nichts und die Produktion weniger aufwendig. Weiters sind der Distribution kaum Grenzen gesetzt, denn die Reichweite, um Leser zu erreichen, ist nahezu unbegrenzt. Ein weiterer Vorteil den Blogs gegenüber ist, dass Änderungen oder neue Artikel einfach aktualisiert werden können. Man muss also nicht mehr so lange auf die nächste Ausgabe warten.
Durch das Auftauchen des Internets haben die gewöhnlichen Fanzines auf Papier somit eine sehr große Konkurrenz bekommen. Jedoch hat das ‘World Wide Web’ auch seine Vorteile: den Schreibern/Schreiberinnen von den sogenannten E-Fanzines (Electronic Fanzines) wurden dadurch viele neue Möglichkeiten eröffnet.
Durch den Verlust von Fanzines auf Papier würde man aber etwas Wichtiges verlieren. Die traditionellen Paper-Zines enthalten etwas Persönliches, während die E-Zines meistens unpersönlich sind, da sie kaum einen direkten Kontakt zu ihrer Leserschaft haben. Kontakt wird größtenteils nur über den Computer gehalten. Dadurch weiß man aber nicht, wer hinter den Schreibern/Schreiberinnen steckt, sowie man auch die Gesichter der Leser/Leserinnen nicht kennt. Ein gedrucktes Zine wird durch den Publizisten/die Publizistin meist selbst verteilt, wodurch ein persönlicher Kontakt mit dem Leser/der Leserin entsteht. Aufgrund dieses Kontaktes wird ein Fanzine zu etwas Besonderem, das man - im Gegensatz zu den Computern - auch jederzeit bei sich tragen kann. Was die Leserschaft betrifft, hat auch das Internet seine Grenzen. Es gibt immer noch einige Personen, die keinen Internetzugang haben. Diesen Menschen wird somit auch der Zugang zu Fanzines verwehrt. Hierbei können die Fanzines auf Papier auch diese Gruppe erreichen (vgl. Stoneman 2001: 76f).
2.4 E-Zines
Heutzutage gibt es weniger Fanzines in gedruckter Form als vor einigen Jahren, da viele den Sprung ins Internet gewagt haben (vgl. Waltz 2005: 84). Deshalb beschäftigen sich die Autorinnen der vorliegenden Arbeit vor allem mit E-Zines, da durch diese Version der Fortbestand der Fanzines gesichtert werden könnte. E-Zines haben nämlich die Möglichkeit, einen größeren Adressaten-Kreis zu erreichen. Durch das Internet öffnen sich geographische Grenzen und den Fanzines ist es somit möglich, am anderen Ende der Welt Leser zu finden. Diesen Vorteil bleibt den gedruckten Fanzines, die oft ihre Leserschaft nur im eigenen Umkreis haben, verwehrt.
Für Schreiber/Schreiberinnen von alternativen Medien, sowie für Aktivisten kann das Medium Internet sehr nützlich sein. Über das ‚World Wide Web’ wird es ihnen ermöglicht, mit nur wenig oder zum Teil gar keinem finanziellen Budget ein weit zerstreutes und großes Publikum zu erreichen, welche ähnliche Interessen haben (vgl. Waltz 2005: 91). E-Fanzines sind eine heterogene Welt. Die meisten Zines im Internet sind aber vor allem für Freunde und Bekannte bestimmt. Sie tragen auf diesen Magazinen, ähnlich wie bei den gedruckten Zines, die eigene Persönlichkeit, eigene Ideen und ihre Glaubensansätze hinaus in die Welt (vgl. Waltz 2005: 84). Wen die Zines dabei erreichen, ist unklar, da der Schreiber des jeweiligen Fanzines keine Kontrolle darüber hat, wer sich die Seite anschaut.
Für Atton (2007: 63) haben aber auch die E-Zines einen ähnlichen Charakter wie die gedruckten Fanzines, da sie sich ebenfalls zu einer Art von Face-to-Face-Beziehung entwickeln. Auf diesen Seiten sind ja die Vorlieben und Meinungen und somit die Identität des Schreibers/der Schreiberin vorhanden. Sie machen auf sich aufmerksam, wollen, dass man ihre Stimme hört. „They ‚authorise’ themselves to speak, validate their lives and make their voices public“ (Atton 2007: 63).
Somit sind die Fanzines auf Papier und die E-Fanzines gar nicht so unterschiedlich, wie man im ersten Moment meinen könnte. Diese Ansicht unterstützt auch Wright (2001: 17). Er ist der Meinung, dass sich E-Zines nicht wirklich von gedruckten Fanzines unterscheiden. Man kann die Fanzines im Internet einfach ausdrucken, Außerdem behauptet er, dass sich - bis auf die Distribution - nicht viel verändert hat. Atton (2002: 68f) bemerkt aber, dass E-Zines jedoch nicht als Ersatz von gedruckten Zines gesehen werden dürfen. Mit dem Beispiel von dem Fanzine ‚For the Clerisy’, veranschaulicht er, dass das nicht immer gut gehen kann. Dieses Fanzine gab es zunächst in gedruckter Ausgabe, bis sich der Herausgeber dazu entschlossen hat, das Medium von Papier zum Internet zu wechseln. Dabei verlor er viele Leser, die die gedruckte Version bevorzugt haben. Hierzu hat Atton auch eine Erklärung: Oftmals sind E-Zines schlecht gemachte Kopien von ihrem gedruckten Orginal, da das Experimentieren mit dem Layout und dem Design meistens wegfällt. Ebenfalls nennt er als Grund den Verlust von sozialen Beziehungen innerhalb der Zine-Kultur, sowie die größere Nähe zu den Massenmedien, als dies bei den gedruckten Fanzines der Fall ist.
Vorsichtig sollte man bei dem Unterschied von E-Zines und anderen Formen der Veröffentlichung von Persönlichem sein (vlg. Atton 2002: 75). So werden oft Blogs und Fanzines synonym gesehen. Ebenfalls ein Problem könnten Hyperlinks mit sich bringen. Leser klicken sich durch diese Links von einer zur nächsten Seite, bis sie irgendwann vergessen, wo sie gestartet hatten (vgl. Atton 2002: 76, zit. n. Silverstone 1999: 77).
2.2 Gesellschaftliche Relevanz
2.2.1 Die Wichtigkeit des Internets für alternative Medien
Um überhaupt die gesellschaftliche Relevanz von E-Fanzines zu klären, muss man vor allem einen Blick auf das Internet, als allgemein wichtige Instanz für alternative Medien, werfen.
Das Medium Internet wurde im Laufe der Zeit zu einem Symbol für die Vernetzung verschiedenster Interessensgruppen in einem (gemeinsamen) virtuellen Raum. Es ist aber auch ein Symbol für das Gelingen oder Scheitern bildungspolitischer Ansprüche und ein Maßstab für Demokratisierungsprozesse (Bauer 1998: 11).
Das Internet unterscheidet sich von den herkömmlichen Massenmedien, indem es Interaktivität und die eigene gestalterischen Einbringung der Rezipienten ermöglicht. Man kann somit selber entscheiden, welche Themen man konsumieren möchte und welche nicht (vgl. Bauer 1998: 14f). Durch das Internet entsteht eine Gemeinschaft. Den einzelnen Rezipienten wird das Gefühl gegeben, dass ihre persönlichen Angelegenheiten wahrgenommen und dargestellt werden. (vgl. Bauer 1998: 17)
Downing (2001: 202f) bemerkt, dass für die alternativen Medien durch das Internet eine neue Ära eingeläutet wird: die Ära der Konvergenz von Medientechnologien. Damit ist gemeint, dass das Internet nicht nur für die Verbreitung von einfachen Texten genutzt werden kann, sondern dass verschiedenste Medienformate miteinander verbunden werden können. Somit kann zum Beispiel auch Wissen überall hin verbreitet werden. Das Internet gilt deshalb als ‘globaler öffentlicher Bereich’. Hier kann man sowohl die regionale als auch die globale Ebene erreichen. Mit diesem Medium entsteht die Hoffnung, dass ein kleines alternatives Medium, wie ein Fanzine, ein großes internationale Publikum erreichen kann.
2.2.2 Formale Gestaltung als wichtige Instanz für Fanzines
Die Wichtigkeit des Designs kann man durch das Aufkommen der Punk-Fanzines erkennen. Durch das stilistisch gewollte ‘cut and paste’ Aussehen galten sie als unverkennbar. Durch diesen Stil konnten sie sich von den Massenmedien und anderen traditionellen Strukturen abgrenzen (vgl. Stoneman 2001: 50). Durch ihr Auftreten signalisieren der Schreiber/die Schreiberin eines Fanzines oft schon seine/ihre Einstellung, da er/sie die Gestaltung des Mediums der publizierten Aussage anpasst.
Auch Funktionsformen, wie Applikationen, spielen eine wichtige Rolle. So wurde es “zur Basis für kooperative Handlungsformen” (Bauer 1998: 17). Das Internet und die Aktions- und Nutzungsformen sind voneinander abhängig. Somit kann man eine einfache Homepage attraktiver gestalten, in dem man verschiedene Applikationen auf die Internetseite aufnimmt. Einige dieser Anwendungen wären zum Beispiel Newsgroups, Email oder Internet Relay Chats (ebd.: 17f).
Vor allem durch Links auf andere Seiten erweitert man kann man sein eigenes Fanzine erweitern um auf weitere aufmerksam zu machen.
Das Internet ist das Medium, Meinung öffentlich zu machen, von anderen “gehört” zu werden – um zu kommunizieren. Verbindungen zu anderen, assoziierten und nahestehenden Menschen, Themen, Institutionen, Vereinen und Bereichen werden über Links signalisiert. Damit werden auf einer inhaltlichen Ebene Vernetzungen hergestellt (ebd.: 18).
2.3 Die Rolle der Kritik
Marcuse (1968: 102f) ist der Auffassung, dass die kritische Theorie der Gesellschaft auf den Materialismus Bezug nimmt und somit ein ökonomisches System ist. Das System der Gesellschaft wird durch die Politik und Ökonomie beeinflusst. Schwierigkeiten können aus der Sicht der Ökonomie beseitigt werden, wodurch die Philosophie dabei überflüssig wird.
Die kritische Theorie ist nicht zuletzt kritisch gegen sich selbst, gegen ihre eigenen gesellschaftlichen Träger. Das philosophische Element innerhalb der Theorie ist eine Form des Protests gegen den neuen ‘Ökonomismus’: gegen eine Isolierung des ökonomischen Kampfes, gegen die festgehaltene Trennung des Ökonomischen vom Politischen (Marcuse 1968: 125).
Deshalb sollte die Veränderung des ökonomischen Systems einen Wandel des gesellschaftlichen Systems mit sich bringen, sodass sich die Abschaffung des ökonomischen Systems eine Eigenständigkeit von politischen Relationen zur Folge hat. Dadurch wird die Entwicklung des gesellschaftlichen Systems beeinflusst. Wenn dann der Staat nicht mehr existiert, entwickeln sich die politischen Relationen zu menschlichen (vgl. Marcuse 1968: 125): “Die Organisation der Verwaltung des gesellschaftlichen reichtums im Interesse der befreiten Menschheit” (ebd.: 125).
Murdock und Golding (1997: 61, 63) weisen auf vier wichtige Merkmale hin, die zur Unterscheidung von kritischer politischer Ökonomie und Mainstream-Ökonomie dienen. Die kritische politische Ökonomie ist holistisch. Beim zweiten Punkt - dem Historischen - zählen diese zwei Autoren wiederum fünf wichtige Prozesse auf: das Wachstum der Medien, die Expansion der Unternehmensforschung, die Kommodifikation, die Verallgemeinerung der Staatsbürgerschaft, sowie die wechselnde Rolle der Einmischung des Staates und der Regierung. Wichtig ist zusätzlich das Gleichgewicht zwischen kapitalistischen Unternehmen und öffentlichen Einmischungen. Als vierten Punkt sehen sie die Beschäftigung der Kritik mit moralischen Fragen, wie Gerechtigkeit, Eigenkapital und dem öffentlichem Wohlbefinden.
Die kritische politische Ökonomie ist an der Herstellung und der Verwendung von geformten Meinungen interessiert. Diese Kritik hinterfragt stets das Vorhandene, um aufzuzeigen wie die ökonomischen Vorgänge den Kontext beeinflussen können (vgl. Ebd.: 62).
3. Empirischer Teil
Die ansteigende Komplexität unserer heutigen Gesellschaft lässt das Bedürfnis, ihre Funktionen sowie ihre Strukturen zu verstehen, wachsen. Das Individuum erfährt zwar Einflüsse der Außenwelt direkt, ist aber mit einer Flut an Information konfrontiert, die er nicht kontrollieren kann. Gesellschaftliche Vorgänge werden zwar durch Medien vermittelt, allerdings wird der Erklärungsbedarf nur geringfügig gedeckt. Derart gekürzt und vereinfacht, erschweren sie die soziale Orientierung. Es bleibt dennoch Aufgabe medialer Berichterstattung, Meldungen über bestehende Verhältnisse zu transportieren. Empirie ist vor diesem Hintergrund also nicht nur die rein subjektive Beschreibung dieser sozialen Situation, sondern sie muss auch spezifischen Kriterien der Wissenschaft genügen. Als angestrebtes Ziel gilt die Objektivität. Das heißt, dass die Daten intersubjektiv nachvollziehbar sind und von Dritten verstanden werden können. Empirische Methoden werden im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis eingesetzt (vgl. Atteslander 2008: 5f). „Der Grad der Wissenschaftlichkeit, damit der Objektivierung, ist nicht an der Zielformulierung oder der exakten Datenauswertung allein zu messen, sondern auch am Grad der Kontrolle sozialer Situationen, in denen diese Methoden angewendet werden, mithin an der logischen Konsistenz der gesamten Forschungsstrategie“ (Atteslander 2008: 6). Im folgenden empirischen Teil soll eine qualitative Inhaltsanalyse dreier online publizierter Fanzines erhoben werden.
3.1 Die qualitative Inhaltsanalyse als Untersuchungsmethode drei ausgewählter Fanzines
„Der Begriff Inhaltsanalyse ist die Übersetzung des englischen ‚content analysis‘“ (Atteslander 2008: 181). Dabei handelt es sich um eine Methode der Erhebung von Daten zur Aufdeckung sozialer Sachverhalte. Durch die Analyse eines vorgegebenen Inhalts wie beispielsweise eines Films, eines Bildes oder eines Textes werden Aussagen über den Zusammenhang seiner Entstehung, die Intentionen seines Senders, die Wirkungen auf den Empfänger wie auch auf die soziale Situation gemacht werden (vgl. Atteslander 2008: 189). Im Gegensatz zur quantitativen, objektiven Systematik der auf Zahlen basierenden Textelemente, führt die Inhaltsanalyse auf Tatbestände zu Schlüssen, die außerhalb der Schriftstücke liegen. Naheliegend ist deshalb ein Vergleich der Medieninhalte mit der dargestellten Realität. Außerdem strebt diese Form der Untersuchung primär Rückschlüsse auf die Publikumswirkung an. Texten liegt ein inneres Regelwerk zugrunde, das mit der hier beschriebenen Methodik rekonstruiert werden muss (vgl. Hunziker 1988: 55). „Dies verlangt nicht nur eine ganzheitliche Herangehensweise an das Textmaterial und eine entsprechende Erfassung ihres Sinngehalts, sondern auch eine Mitberücksichtigung ihres textlichen und sozialen Umfelds“ (Hunziker 1988: 55). Die Frage nach der ganzheitlichen Bedeutung medialer Inhalte führt unausweichlich zur Hinterfragung ihrer Produktionsbedingungen und dem Modus ihrer Verwendung durch den Rezipienten (vgl. Hunziker 1988: 55). Die qualitative Forschung gebraucht bei ihrer Vorgehensweise die verschiedensten Methoden und Paradigmen aus unzähligen wissenschaftlichen Disziplinen und beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Sozialwissenschaften. In der ersten Phase wird das Material ohne theoretische Vorannahmen gesichtet. Anschließend wird mit einem neunstufigen Aufbaumodell die Inhaltsanalyse durchgeführt. Ziel ist es, das Material so zu reduzieren, dass ein überschaubarer Korpus geschaffen wird, der immer noch das Grundmaterial wieder spiegelt. (vgl. Atteslander 2008: 197). Allerdings wird den qualitativen Verfahren ein Mangel an Nachvollziehbarkeit, Subjektivität aber auch Willkür vorgeworfen (vgl. Atteslander 2008: 188). Außerdem ist davon auszugehen, dass Medieninhalte oft mehrere Bedeutungen haben können. In Betracht zu ziehen sind aber nicht nur verschiedene Interpretationsweisen der Rezipienten, sondern auch erhebliche Interpretationsdifferenzen zwischen Publikum und Produzenten. Hinzu kommt eine spezifische Textverwendung durch den Inhaltsanalytiker, dessen wissenschaftlicher Zugang zum Text sich von der „natürlichen“ Rezeption signifikant unterscheidet (vgl. Huniker 1988: 55f). Die vorliegende Arbeit soll sich im Rahmen der beschriebenen Inhaltsanalyse auf drei ausgewählte Fanzines beziehen, die regelmäßig im als Online-Magazine aktualisiert werden. Der Großteil internetbasierter Forschung ist nach wie vor quantitativ orientiert. Jedoch wächst der Trend zur qualitativen Untersuchung zunehmend (vgl. Flick 2007: 336). „Einige qualitative Methoden können ohne weiteres auf das Internet übertragen werden, andere Ansätze und Prinzipien qualitativer Forschung lassen sich nur mit mehr oder weniger weitgehenden Modifikationen ins Virtuelle transportieren“ (Flick 2007: 336). Dokumente im Web zeichnen sich durch bestimmte Eigenschaften aus. Die Intertextualität verknüpft einen Text oder eine Seite mit weiteren Texten. Traditionelle Definitionen und Grenzen von Niederschriften werden überschritten. Daraus kann ein manchmal endloser Text entstehen. Webseiten werden laufend aktualisiert, verändert, verschwinden und tauchen wieder auf, weshalb bei ihrer Zitierung stets der Zeitpunkt des Zugriffs angegeben wird. Außerdem weisen Texte im Netz eine Non-Linearität auf während herkömmliche Berichte Anfang, Ende wie auch oft eine zeitliche Struktur besitzen. Die meisten Internetseiten gehen sogar über den Text als Medium hinaus, indem sie eher Multimediaprodukte mit Bildern, Tönen, Popup-Menüs und vielem Zusatzmaterial erscheinen. Aus diesem Umstand resultieren Probleme, da es sich bei den Websites nicht um eine festgeschriebene Ordnung handelt. Aufgrund ihrer Flüchtigkeit führt die Dokumentenanalyse über die Routinen der qualitativen Forschung hinaus, da es schwierig ist, ihre Grenzen festzulegen (vgl. Flick 2007: 350f). Nachdem zuerst das Material genau beschrieben und die Fragestellung festgelegt wird, bestimmt man die Analyseeinheiten. Diese werden anschließend in eine nur auf den Inhalt beschränkte Form umgeschrieben. Die Paraphrasen sollten auf einer einheitlichen Sprachebene basieren und in einem nächsten Schritt verallgemeinert werden. Am Ende der Reduktionsphase muss überprüft werden, ob die als Kategoriensystem zusammengestellten Aussagen das Ausgangsmaterial noch repräsentieren. Damit ist der erste Durchlauf einer Zusammenfassung abgeschlossen (vgl. Mayring 2003: 61).
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit haben sich die Autorinnen auf die Analyse von drei Fanzines, die regelmäßig online erscheinen, konzentriert. Sie alle erheben den Anspruch, abseits von Massenmedien Subkulturen mit Informationen über Musik, Interviews, Konzert-Rezensionen aus der Szene aber auch kritische Anmerkungen zu versorgen. Dies tun sie auf unterschiedlicher Ebene durch den sprachlichen Ausdruck, das Design sowie die inhaltliche Aufarbeitung ihres Themenschwerpunkts. Zunächst soll jedes Medium separat auf Grundlage des jeweiligen Bewertungskriteriums untersucht werden. Anschließend werden die Ergebnisse stets miteinander verglichen. Aus dem Vergleich wird auf das kritische Potenzial und die Zielgruppen dieser Medien geschlossen.
3.2 Bewertungskriterien
Um eine qualitative Inhaltsangabe präzise durchführen zu können, müssen bestimmte Kriterien festgelegt werden, nach denen die Internetseiten jeweils untersucht werden. Durch Kategorien soll versucht werden, die Ziele zu konkretisieren. Zentrales Instrument der Analyse ist also das Kategoriensystem, die zusätzlich das Nachvollziehen des Vorgehens für andere ermöglicht (vgl. Mayring 2003: 43). Nach einer anfänglichen, reinen Beschreibung der einzelnen Online-Fanzines, werden auf der Basis dieser Erläuterungen Vergleiche zwischen dem Material und Schlüsse auf alternative Medien gezogen. Zusätzlich werden besonders auffällige Merkmale in Sprachgebrauch, der Aufarbeitung des präsentierten Themas und der optischen Gestaltung werden festgehalten. Allgemein werden Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede aus der Perspektive alternativer Medien zwischen www.straightinyourhead.de, www.in-your-face.de wie auch www.music2web.de gefiltert. Die Untersuchung nimmt in diesem Rahmen ausschließlich Bezug auf die Forschungsintention. Analysiert werden entsprechend diejenigen Aspekte, deren Eigenschaften zur Beantwortung der Forschungsfrage beitragen.
3.2.1 Verwendung von Sprache
Allgemein handelt es sich um Sprache um etwas, das jedem mitgegeben wird. Sprache ist noch mehr als bloße Tradition. Viel mehr ist sie für jeden einzelnen Menschen das fraglos Übergebene und fraglos Übernommene. Und diese Tradition wird, im Unterschied zu anderen, vollständig internalisiert. Jedes Individuum lernt vom Anbeginn seiner Kindheit, so zu sprechen wie seine Umgebung, die aus Eltern, Geschwistern sowie anderen Kindern besteht. Eine weitere Differenzierung tritt durch den Kindergarten und die ersten Schuljahre auf. Die Änderungen, die sich später ergeben, sind durch weitere Einflüsse bedingt, die wiederum von Traditionen bewirkt werden. Das können sich wandelnde Gegebenheiten in Ausbildung, Bildung, Beruf und Ortsveränderungen sein. Zwar geschieht der Erwerb von Sprache unbewusst, jedoch stehen Bewusstsein und Sprache in einem voneinander abhängigen Verhältnis (vgl. Gauger 1995: 7 – 10). Die Wörter als Bausteine unserer Sprache sind sowohl durch Erfahrungen als auch Erkenntnisse zahlreicher Generationen geprägt. Sie drücken Interessen, Emotionen und Geisteshaltungen der Menschen aus genau so wie sie formulieren, wie der Sender seine Außenwelt wahrnimmt und anschließend beurteilt (vgl. Kurz/Müller/Pötschke/Pöttker 2000: 31). Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch der bestimmte Stil, mit dem geschrieben wird. Dieser hat die Funktion, sich einerseits an das Medium anzupassen, anderseits soll er sich auch von übrigen Stilen hervorheben. „Stilisierung ist der Versuch, sich einzufügen, sich als etwas zu geben, wobei diese Einfügung gleichzeitig, psychologisch, den Sinn eines Sich-Ausfügens haben kann (vgl. Gauger 1995: 199, Hervorheb. i. O.).
Alle der in dieser Arbeit untersuchten Arbeit wurden in deutscher Sprache verfasst. Bei www.straightinyourhead.de wurde ein leicht verständlicher sowie umgangssprachlich formulierter Stil gewählt. Statt Wortwiederholungen werden immer wieder Synonyme verwendet, um Abwechslung zu garantieren. Fremdwörter oder englische Branchenausdrücke lassen sich dagegen selten in den Einträgen finden. Die Homepage ist eine Art Weblog, der durch die einzelnen Mitglieder der Seite in regelmäßigen Abständen erweitert wird. Dennoch unterscheiden sich die jeweiligen sprachlichen Ebenen nicht auffallend voneinander. Persönliche Fürwörter bauen Grenzen zwischen Autoren und ihrem Publikum ab, so dass sich beide Parteien auf gleicher Augenhöhe begegnen. Das Fanzine richtet sich mit seinem linearen Satzbau also insgesamt an eine breite Leserschaft.
www.straight-in-your-head.de ist ebenfalls von mehreren Autoren verfasst worden. Auffallend ist, dass die Meldungen oft in komplexen Satzkonstruktionen mit englischsprachigen Fachausdrücken der Musikbranche veröffentlicht werden. Zahlreiche Adjektive, Metaphern aber auch beigefügte Angaben zur Bandgeschichte haben sowohl einen unterhaltenden als auch einen bildenden Effekt auf den Schreibstil. Das Online-Magazin zielt auf eine Zielgruppe ab, die sich mit der Hauptthematik intensiv auseinander setzt. Allerdings werden keinerlei Personalpronomen benutzt, wodurch sich die Sender der Informationen in eine übergeordnete Position heben und eine gewisse Distanz zu ihren Empfängern aufbauen.
Die Verfasser der Nachrichten von www.music2web.de legen sich auf einen einfachen Stil mit teilweise sehr kurzen Sätzen sowie Begriffen, die dem Englischen entstammen, fest. Hervorzuheben ist, dass der Rezipient direkt angesprochen wird, um ihn emotional an das Medium zu binden. Hintergrundinformationen lässt dieser eher knappe Schreibstil allerdings nur geringfügig zu, wodurch er beim Lesen schnell eintönig, wenn nicht sogar abgehackt wirkt. Die Seite ist vor allem für diejenigen User geeignet, die rasch an Vorankündigungen oder bündige Berichte gelangen wollen, an denen es jedoch an kritischer Reflexion des besprochenen Materials mangelt.
3.2.2 Inhaltliche Aspekte
Medieninhalte erfüllen im Wesentlichen drei Hauptfunktionen. Als elektronische Werkzeuge in Form von Computerprogrammen sind sie in der Ausübung verschiedener Tätigkeiten behilflich und dienen so als Faktor der Inputs für Produktionsprozesse. Entspannend, anregend oder in einer anderen erwünschten Weise den menschlichen Geist beeinflussend wirken sie, indem sie unterhalten. Letztendlich informieren sie auch in der Weise, als dass sie das Wissen der Menschen erweitern (vgl. Detering 2001: 11). Medien, die in soziale Organisationen eingebettet sind, erfüllen den Auftrag, täglich eine fast unüberschaubare Vielfalt an Angeboten zu produzieren. Als Beobachter der Gesellschaft konstruieren und vermitteln sie Bilder der Realität, welche von Rezipienten selektiv wahrgenommen werden. Aufgrund deren jeweiliger Lebenskontexte werden die Informationen unterschiedlich interpretiert sowie umgesetzt. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Medieninhalten erfolgt vor diesem Hintergrund dadurch so kontrovers, da davon ausgegangen wird, dass öffentliche Kommunikation nicht folgenlos ist, sondern intensive Wirkungen beim Rezipienten auslösen. Durch die Flut neuer Meldungen haben sich aber gleichzeitig die Anforderungen an einen kompetenten Medienumgang erhöht. Es besteht die Gefahr, dass die Inhalte nur noch passiv, also unterhaltungs- und entspannungsorientiert genutzt werden (vgl. Bonfadelli 2005: 235 - 238). Die neuen Medien bringen mehrere Innovationen im Rahmen der Medieninhalte. Hervorstechendste Änderung ist die Individualisierung des Konsums. Durch die Asynchronisierung der Inhalte können Rezipienten dann Informationen dann anrufen, wann sie es wollen, ohne sich an festgelegte Sendezeiten halten zu müssen. Inhalte bringen schon deshalb einen Nutzenmehrwert, weil jedes Fragment unmittelbar zugänglich ist und stets abgerufen werden kann. So kann man nun verzichten, zum Beispiel ganze Bücher auf der Suche nach Stichwörtern durchsuchen zu müssen. Der User erhält die Chance, selbst Anbieter von Informationen zu werden, mit Kommentaren auf andere Angebote zu antworten, Verknüpfungen zu diesen herzustellen sowie neue Impulse einzubringen. Angesichts der Individualisierung der Mediennutzung stößt der Begriff „Massenmedien“ an seine Grenzen, da ein gestückelter Nachrichtenabruf die von den klassischen Medien betriebene Gesamtversorgung mit Meldungen ersetzt. Es kommt zu der Gewinnung einer Informationsfreiheit, welche vorher durch die technischen Zwänge der traditionellen Massenmedien eingeschränkt wurde (vgl. Detering 2001: 96 – 99). Für die inhaltsanalytische Vorgehensweise in dieser Arbeit ist es deshalb wichtig, die Medieninhalte nach Kriterien zu gliedern. Ziel der inhaltlichen Strukturierung soll es sein, bestimmte Themen oder Aspekte aus dem Material zu filtern und dieses anschließend zusammen zu fassen. Welche Inhalte aus dem Material extrahiert werden, wird durch die Kategorien festgelegt (vgl. Mayring 2003: 89). Der Schwerpunkt des Untersuchungsmaterials liegt in diesem Fall auf der Beschäftigung mit der Musikbranche. Das äußert sich vor allem durch Konzertberichte, Fotos der präsentierten Künstler, aktuelle Neuigkeiten sowie Konzertkritiken.
3.2.3 Gestalterische Umsetzung
Grafische Elemente werden dazu benutzt, effiziente Kommunikation zu visualisieren und vier wesentliche Ziele zu erreichen. Einerseits soll die Präsentation die Aufmerksamkeit des Publikums wecken, wobei ihre Aufmachung der jeweiligen Zielgruppe entsprechen soll. Andererseits führt die gestalterische Umsetzung den Rezipienten durch die Meldungen und fördert die Aussagekraft der Informationen. Dabei sollte das Layout einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Um die Wirkungskraft der Information zu steigern, sollte mit denen dem Medium angemessener Technologie gearbeitet werden (vgl. Baird/Turnbull/McDonald 1987: 3f). „Good design has both aesthetic and business implications. An artistic, tasteful presentation of graphic elements looks attractive and sophisticated. It can also be economically successful if the audience responds to its intended” (Baird/Turnbull/McDonald 1987: 21).
Das Fanzine www.straightinyourhead.de wird schon durch ein prägnantes, schwarzes Logo am Kopf der Seite gekennzeichnet, über dem sechs einfarbige Flaggen aufgefächert und von je einem Elefanten umgeben sind. In der Mitte prangt ein kleiner gelber Stern. Direkt darunter erklärt ein Schriftzug grob die Themen, mit denen sich die Plattform beschäftigt, so dass eine rasche Zielgruppenorientierung erfolgen kann. Der Hintergrund wird durchgängig grau mit weißer Schrift gehalten, während sich Meldungen, die abwechslungsreiche Themen abdecken, stets mittig befinden und in dunkelroten, etwa 17 Zentimeter breiten Kästen befinden. Die Schrift wurde ebenfalls schlicht gestaltet - allerdings in schwarz, um einen Kontrast zu bilden. Auffallend ist, dass jede der Anzeigen mit einem passenden Video oder zumindest einem Bild optisch aufgewertet ist, so dass sie sich gut erkenntlich voneinander abgrenzen. Das gilt auch für die weiteren Seiten, die diverse Schwerpunkte des Menüs betreffen und anschaulich aufgebaut sind. Umrahmt werden die sechs Weblog-Einträge pro jeweiliger Seite links vom Hauptmenü, das unterschiedliche Interessensgebiete behandelt, sowie eine Log-In-Funktion. Rechts überwiegen verlinkte Seiten ähnlichen Inhalts. Kontaktmöglichkeiten, eine Galerie von Konzertbildern, eine in diverse Schwerpunkte Linkliste aber auch ein spärlich genutztes Gästebuch erhält man über eine Leiste unter dem Seitenlogo. Insgesamt ermöglicht eine unkomplizierte Navigation einen problemlosen Zugriff auf eine Vielfalt an Themen, die das Medium präsentiert.
Auf der Seite www.in-your-face.de ist vor allem die Farbe weiß dominierend, wobei rechts das komplette Menü in weißer Schrift auf leuchtend gelbem Untergrund übersichtlich gegliedert ist, so dass sich der Rezipient sofort zurechtfinden kann. Rechts prangt ein verlinktes Werbebanner eines großen Elektrofachmarkts. Aufmerksamkeit erzielt allerdings ein Fenster mit dem Titel „Top Stories“, in dem die fünf Meldungen – unterstützt von adäquaten Bildern - mit der höchsten Relevanz fortlaufend wechseln. Im Anschluss folgen darunter kleinere, bebilderte Meldungen zu den Ressorts „News“, „Interviews“, „Specials“ und „IYF präsentiert“. Letzteres stellt Touren kleinerer Touren bzw. Festivals vor, die so an medialer Öffentlichkeit gewinnen. Das Logo in Größe eines Zeigefingers ist über sämltichen Mitteilungen angebracht. Erneut wiederholen sich die Hauptfarben schwarz, gelb, weiß in klaren Linien. Rechts daneben ist eine Anmeldefunktion aufgezeigt, über die man sich einloggen und damit am interaktiven Prozess des Angebots teilnehmen kann. Über allem steht schließlich eine Collage an Konzertfotos in schwarz-weiß, in das ein weiterer, gelber Werbelink auf der rechten Seite eingelassen ist, über den man eine weite Musik-Fansite erreicht.
Der äußere Rahmen von www.web2music.de ist dunkelblau, wovon sich der Teil mit der Berichterstattung weiß hervorhebt. Die Überschriften der einzelnen Mitteilungen rund um die Musikbranche sind ebenfalls weiß, jedoch mit einem schwarzen Untergrund. Die Meldungen sind also durch die dunklen Balken genau voneinander getrennt und mit jeweils einem aussagekräftigen Foto illustriert. Die folgende Schrift ist schwarz. Einzelne Wörter verbinden über einen Link zu weiteren Informationen und sind hellbraun gefärbt. Insgesamt wird dem Rezipienten eine simple Navigation zur Verfügung gestellt. Oberhalb aller Neuigkeiten durchlaufen neuste Informationen zu Musik und einzelnen Künstlern die Website von rechts nach links. Ins Auge fällt jedoch vor allem das Logo in den markanten Farben rot und weiß. Dieses wird rechts von dem Bild eines Mikrophons und links von einem Schlagzeug-Symbol umgeben.
Allgemein sind die analysierten Fanzines durch wenige kräftige Farben, klare Linien und passenden Bildern schlicht gestaltet. Sie bieten dennoch ein breites Interaktionsfeld mit zahlreichen Zusatzinformationen, die jedoch nicht immer regelmäßig aktualisiert werden. Der Nutzer soll sich sofort auf einfache Wegführung an Meldungen gelangen, statt durch einen besonders komplexen, aufwendigen Aufbau abgelenkt oder gar irre geführt zu werden. Auch diese Webseiten sind wie andere online verbreitete Massenmedien von Werbung gestützt, also nicht ganz unabhängig vom Wirtschaftsapparat.
3.3 Schlüsse auf die Zielgruppe und Folgen für die Ausübung von Kritik
Die in diesem Kapitel dargelegten Informationen stammen aus Interviews, die von den jeweiligen Chefredakteuren der analysierten Webseiten, Marcel Linke von www.web2music.de telefonisch und Nico Reißmann von www.straightinyourhead.de per Email beantwortet wurden. Der dritte Ansprechpartner, Timo Winter von www.in-your-face.de, konnte den Fragebogen nicht zeitgemäß ausfüllen, weswegen dieses Fanzine in diesem Kapitel außer Acht gelassen wird.
Bei den Autoren von www.music2web.de handelt es sich um Hobby-Reporter, die aus reiner Freude an der Musik für das Fanzine schreiben oder fotografieren. Die Redaktion setzt sich aus etwa vierzig Mitgliedern, wovon zehn sehr aktiv tätig sind. Nicht nur durch Flyer, die auf den entsprechenden Konzerten an die Besucher verteilt werden, konnte die Seite immer mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch Verlinkungen anderer Magazine mit ähnlichem Inhalt oder Communities tragen immens zur Verbreitung der Homepage bei. Das produzierte Material wird nach einer groben Prüfung auf Rechtschreib- und Grammatikfehler direkt online gestellt, wobei kaum Wert auf ein einheitliches Niveau der Beiträge gelegt wird. Wichtig ist allerdings, dass neben reinen Fakten auch die Meinung der Verfasser in die Meldungen, die vor allem auf Konzertberichten basieren, einfließt. Die Themen werden fast immer von den Mitarbeitern selber ausgewählt. Obwohl es sich bei der Entscheidung auf ein bestimmtes Thema um eine Frage des persönlichen Geschmacks des jeweiligen Berichterstatters handelt, gelten trotzdem die Kriterien der Aktualität und Neuigkeit. Berichtet wird über alternative Musikgruppen aus dem Independet-Genre, die sich von kommerziell erfolgreichen Bands unterscheiden. Die gesellschaftliche Relevanz ist stets abhängig vom Bekanntheitsgrad der Musiker. Außerdem wurde beim Layout darauf geachtet, es möglichst übersichtlich zu gestalten und die aktuellsten Meldungen immer oben zu positionieren. Die Einfachheit der Gestaltung resultiert aus der überschaubaren Menge an Nachrichten.
Die Leserschaft besteht aus monatlich etwa 7500 Rezipienten. Die größte Zielgruppe konstituiert sich aus Musikliebhabern zwischen 15 und 30 Jahren. Es handelt sich hauptsächlich um Personen, die eine Schule mit Abitur abgeschlossen bzw. maturiert haben und teilweise schon studieren. Aus diesem Umstand lässt sich schließen, dass die Leserschaft aus einem gebildeten sozialen Milieu stammt. Auch die Reporter weisen einen höheren Bildungsabschluss vor. Die Rezipienten wiederum liefern den Produzenten wiederum konstruktives Feedback, das im Rahmen der Gegebenheiten umgesetzt wird. Negative Kritik kommt dagegen von den besprochenen Auftritten lokaler Bands. Auch sie liefern Impulse, Änderungen vorzunehmen. Finanziert wird das online publizierte Fanzine über Werbeanzeigen, die über Dritt-Plattformen geschaltet und verlinkt werden. www.music2web.de selbst tritt nicht mit seinen Kunden in unmittelbaren Kontakt. Mit dieser Methode des Gelderwerbs können zwar die Server- sowie die Fahrtkosten zu den einzelnen Veranstaltungen gedeckt werden, ein Reingewinn wird jedoch kaum erzielt. Die geschalteten Anzeigen wirken sich im Allgemeinen nicht auf die inhaltliche Aufbereitung der Internet-Seite aus.
Das E-Zine www.straightinyourhead.de wird seit nunmehr einem Jahr von aktuell fünf Autoren im Alter zwischen 18 und 27 Jahren betrieben. Sie stammen allesamt aus Pforzheim bzw. Karlsruhe und sind teilweise auch in politischen Gruppen beteiligt. Da sich die Produzenten an keine festen Schreibregeln halten, macht die Sprache nur einen geringen Teil des online publizierten Mediums aus. Vor allem sollen den Rezipienten Bands und Themen vorgestellt werden, die in den Massenmedien vernachlässigt werden. Die Internetpräsenz wirkt somit als Sprachrohr, indem sie über Sachverhalte berichtet, die die Verfasser auch persönlich interessieren und sie deshalb beleuchten wollen. Unabhängig ob die Inhalte nun eng oder doch eher weit auseinander liegen, wird bei der Nachrichtenvermittlung ein allgemein gültiger Konsens, keine sexistischen sowie rassistischen Meinungen zu verbreiten, eingehalten. Auch Richtlinien, nach denen ein bestimmter Redakteur bestimmt, was veröffentlicht wird, existieren in dem analysierten Medium nicht. Der nötige Freiraum für selbstständige Publikationen wird durch den unbegrenzten Platz geschaffen. Vor diesem Hintergrund können die User, deren Zahl sich seit dem Erscheinen auf 3500 gesteigert hat, über die Kontaktfunktion Resonanz äußern, wodurch die Gestaltung der Website abhängig ist. Bei der optischen Aufmachung wurde darauf geachtet, die Zielgruppe sowohl durch Farben als auch durch Grafiken anzusprechen, wobei auf kostenpflichtige Werbung zugunsten des persönlichen Geschmacks verzichtet wurde. Vermieden werden sollen damit also von Kunden beeinflusste Empfehlungen, die aufgrund kommerzieller Interessen verfasst wurden. Stattdessen werden die Kosten für die angemietete Domain im Wert von 25 Cent privat von den aktiven Mitgliedern gezahlt. Es ergibt sich aus dieser Situation allerdings ein geringer Erfolg, über Suchmaschinen gefunden zu werden. Die schon erwähnte Zielgruppe, deren Aufmerksamkeit erreicht werden soll, besteht einerseits aus Jugendlichen, die sich mit der alternativen Szene der musikalischen Richtungen Punk, Hardcore, Ska, aber vor allem Gesellschaftskritik identifizieren.
4. Zusammenfassung
Alternativmedien sind Folge von Kulturen und Bewegungen, unterstützen beider Absichten wiederum. Dennoch muss man zwischen beiden Begriffen differenzieren. Während eine Bewegung sowohl etwas von sich, als auch von anderen verlangte und zur Auseinandersetzung zwang, kann man innerhalb einer Kultur Dinge erreichen, die von Bewegungen nicht ergriffen werden konnten. Darunter fällt nicht nur Karriere, finanzielle Vorteile, sondern vor allem Einflussnahme auf das politische Geschehen. Daraus ergibt sich ein Multikulturalismus, dessen einzelne Bestandteile aus ehemaligen Bewegungen oder Minderheiten entstanden sind, die sich als Opfer einer Machtsituation der Mehrheit sahen (vgl. Diederichsen 1994: 102ff). Subkulturen erfüllen die Aufgabe, das auszudrücken und die Widersprüche zu beseitigen, die in der Elterngeneration ungelöst oder versteckt waren. Jede einzelne dieser diversen Ausdrucksformen streben an, diejenigen gesellschaftlichen Elemente zusammen zu fügen, die in Vorgängergenerationen zerstört wurden. Diese Glieder verbinden sie mit Fragmenten anderer sozialer Schichten. Vor diesem Hintergrund gelten Subkulturen als symbolische Strukturen, die durch bestimmte Merkmale wie beispielsweise Kleidung, Musik, Verhaltensweisen aber auch Jargons, charakterisiert werden (vgl. Hall/Hobson/Lowe/Willis 1990: 82f). Identitätsbildung abseits des Mainstreams entsteht also zum Großteil aus spezifischen Denkweisen, dem optischen Erscheinungsbild, jedoch auch mit Hilfe von Musik. Diese produziert sowohl eine Politik der Differenz als auch Universalismus mit weltumspannenden Liedern. Zurzeit erlebt sie allerdings einen Rückzug zum Regionalismus. Viel stärker ist die Ausdifferenzierung der unterschiedlichen Genres bezogen auf ihre Herkunft. Subkulturen selbst konstituieren sich stets über die Politik der Differenz und definieren sich über Unverwechselbarkeit, die Expression von Lebensstilen sowie um die Abgrenzung vom Mainstream und anderen Szenen. Wenige so sensible Welten existieren, wo auf der Basis von derart scharf umrissenen Abgrenzungsmerkmalen Unterschiede so stark an Details festgemacht werden. Die Haltung zu diesem sogenannten „Tribalismus“ wurde vor allem von der Musikkultur als positiv bewertet, da sie davon ausging, dass eine solche Bewegung vor einem emanzipatorischen, progressiven Kontext entstanden ist. Die tribalistische Politik der Differenz enthält dabei durchaus universalistische Elemente. Indem die verschiedene Ausprägungen der Diskriminierung kritisiert, fordert sie eine allgegenwärtige Gleichbehandlung durch die Anerkennung von Verschiedenheit. Anhand dessen darf nicht übersehen werden, dass eine „ethnische Verunreinigung“ einen modernen Charakter besitzen. Die Berufung auf bestimmte Besonderheiten setzen universalistische Gegebenheiten schon immer voraus (vgl. Jacob 1994: 36 – 40).
Insgesamt zeigt sich, dass alle drei untersuchten Medien in ihrer spezifischen Gestaltung Kritik durch diverse Merkmale ausüben. Ihr Ziel ist es, ihren Rezipienten Informationen unabhängig von Intentionen kommerzieller Organisationen zu vermitteln. Das Medium Internet bietet mit seinen interaktiven Mitteln unbegrenzten Platz, die Inhalte umfassend aufzuarbeiten. Außerdem können Internetseiten wesentlich mehr Leser erreichen als Fanzines in der Papierform. Sofortige Resonanz seitens der Rezipienten kann aufgrund Interaktivität erreicht durch die Vernetzung der User werden. Es zeigt sich also, dass sich Fanzines zu einem umfangreichen Medium mit breiter Wirkung etabliert hat.
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